Japanisch essen will gelernt seinDOs und DON’Ts der japanischen Esskultur

Wer ins Land der aufgehenden Sonne reist, bekommt nicht nur faszinierende Einblicke in Land und Leute, sondern darf auch die japanische Esskultur erkunden. Mit Touristen ist man dabei natürlich nachsichtig, auch wenn ein kleines Fauxpas beim Essen passiert. Dennoch machst du eine gute Figur, wenn du mit Essstäbchen umgehen kannst und die japanischen Tischmanieren beherrscht. Bekommst du das hin?

 

Kulinarik zum Verlieben

Essenstechnisch kann man es bei weitem schlechter treffen als in Japan. Denn die japanische Küche gilt als sehr fettarm und gesund, äußerst vielfältig und bietet weit mehr als nur Sushi. Der Eigengeschmack von Gemüse, Suppen, Fisch, Meeresfrüchten und natürlich von Reis steht im Fokus, weshalb mit Gewürzen meist gespart wird. Fleisch hingegen war lange Zeit verpönt und ist deshalb auch heute noch wenig vorzufinden – für das luxuriöse Wagyu Beef ist Japan jedoch ebenfalls bekannt. Auch wenn Zutaten und Zubereitungsweisen manchmal fremd erscheinen mögen, ist der beste Tipp: probieren und sich auf neue Geschmackserlebnisse einlassen!

 

Von O-shibori und Iradajunasu

Essen ist Japan weit mehr als nur sein Hungerbedürfnis zu stillen. Es geht um Gemeinschaft, um Genuss und um Tradition. Natürlich muss der Geschmack überzeugen, doch Optik und Präsentation der Speisen sind mindestens genauso wichtig. Das Essen wird  in Schalen gleichzeitig serviert, eine feste Menüreihenfolge gibt es dabei nicht: man darf also nach Lust und Laune probieren! Aber erst nachdem das Mahl eröffnet wurde: Als erstes reinigt man sich mit einem feuchten Tuch – O-shibori genannt – die Hände. Dann wartet man, bis das gesamte Essen serviert ist und verschafft sich einen Überblick über die liebevoll präsentierten Speisen. Iradajunasu ist das “Guten Appetit” auf japanisch – es soll den Dank fürs Essen ausdrücken und die Mahlzeit eröffnen.

 

Steck deine Stäbchen nirgends rein!

So, es geht los – jetzt bloß nichts falsch machen! Deshalb mal die wichtigsten Knigge-Herausforderungen zusammengefasst:

 

  • Flute den Reis nicht mit Sojasauce. Oder mit sonst irgendwas. Denn Reis gilt als wertvolles und kostbares Essen, dessen reines Weiß nicht beschmutzt werden soll.

 

  • Hab deine Stäbchen unter Kontrolle! Nicht damit herumspielen oder auf andere mit den Stäbchen zeigen, das Essen nicht damit aufspießen und keinesfalls die Stäbchen senkrecht in den Reis stecken. Letzteres erinnert nämlich an ein buddhistischen Totenritual – kann also schnell ein Stimmungskiller sein.

 

  • Benutze die Auffüll-Stäbchen. Wenn du dir etwas von einem Gemeinschaftsteller nehmen möchtest, solltest du die dafür vorgesehenen Saibashi-Stäbchen verwenden, nicht deine eigenen. Sind keine vorhanden, drehe notfalls deine Stäbchen um und nimm dir damit etwas.

 

  • Gemeinsam essen. Wirklich gemeinsam: Das Essen hat in Japan viel mit Gemeinschaftsgefühl zu tun. Und so solltest du dich beim Essen in einer Gruppe daran orientieren, dass du ca. gleich lang isst, wie die anderen. Wenn du zu schnell fertig bist, wirkt es, als habe es dir nicht geschmeckt.

 

  • Schlürfen erlaub! Auch wenn es auf dich ungewohnt wirken mag, beim Trinken einer Suppe ist Schlürfen erlaubt. Zum einen, weil die Suppen sehr heiß serviert werden und zum anderen, weil man gerne hören darf, dass es dir schmeckt.

 

  • Achte auf deinen Trinknachbarn. Du solltest dir nie selbst einschenken, immer jedoch darauf achten, dass dein Nachbar genug zu trinken hat. Um zu signalisieren, dass du genug getrunken hast, lass einfach einen Rest im Glas.

 

  • Lass dir auch das letzte Reiskorn schmecken. Essen ist kostbar. Darum wird es gerne gesehen, dass man sein Essen vollständig aufisst.

 

Das gemeinsame Essen wird mit den Worten Gochisosama deshita beendet. Wer nun noch auf eine Nachspeise hofft, wird leider enttäuscht – eine solche ist in Japan nicht üblich, es gibt noch nicht einmal ein Wort dafür. Doch darauf kann man schon mal verzichten, bei all den kulinarischen Besonderheiten, die die japanische Küche zu bieten hat. Und bestenfalls nimmt man sich von der Reise etwas Inspiration für die eigene Küche mit …