„Ich hab mal gehört, dass man alles mag, wenn man es 7 Wochen hintereinander – einmal pro Woche – probiert.” Meine Freundin scheint überzeugt von ihrer Aussage. Ich bin skeptisch. „7 Wochen? Wenn ich jetzt also 7 Wochen lang jeden Sonntag eine Olive esse, dann mag ich sie?” Sie nickt.

7 Wochen. Eine willkürliche Zahl. Oder doch eine mystische, gar geheimnisvolle? Märchen und Legenden reißen sich darum. 7 Zwerge, 7Hauben. Alle 7 Jahre soll sich unser Geschmack verändern, sogar die Haarstruktur – hab ich zumindest mal gehört. Man hört ja so einiges. Und doch ist meine Neugier nun geweckt. Immerhin würden sich mit dem Ende des Olivenhasses ganz neue kulinarische Möglichkeiten auftun. Lasset das Experiment beginnen!

 

Oh du liebe Olive

Ganz unvoreingenommen begegne ich dem ersten Olivensonntag. Ich habe mir tatsächlich ein Glas Oliven gekauft. Irgend eines. Obwohl ich mit Ratschlägen überhäuft wurde, welche die besten seien. Für Olivenliebhaber scheint dieser Genuss eine Wissenschaft für sich zu sein. Ich halte nun eine Zufallsauswahl in meinen Händen, mit etwas Glück sind es nicht die schlechtesten. Aber was soll’s, den Unterschied schmecke ich ja eh nicht. Nach 7 Wochen vielleicht. Aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher, dass der erste Versuch eine Enttäuschung sein wird.

Ich sollte Recht behalten. Der Biss in die entkernte Olive lässt mir die Haare zu Berge stehen. Meine Gesichtszüge geraten außer Kontrolle, meine Zunge verflucht mich für diese Geschmacksfolter. Einmal, zweimal kauen und runter damit.

 

Ob wir noch Freunde werden?

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich eine Olive probiere. Bisher decken sich meine fast traumatischen Erfahrungen jedoch. Fraglich, ob sich das in 7 Wochen noch ändern wird. Die Olivensonntage verfliegen, eine Besserung bleibt aus. Zunächst.

Doch plötzlich ist irgendetwas anders. Der Ekel in Perfektion, den die ersten Sonntagsoliven in meinen Mundhöhlen verbreiteten, scheint allmählich zu schwinden. Immer noch schlimm, keine Frage, aber in einem Ausmaß, das ich ganz langsam bereit bin zu ertragen. Ein Plazebo-Effekt? Eine selbsterfüllende Prophezeiung? Oder ist wirklich was dran, an den magischen 7 Wochen? Nun bin ich wirklich gespannt, was die letzten Sonntage noch bringen.

 

Woche 7: Stichtag

Gleichgültigkeit. Das ist der Stand nach 7 Wochen. Der anfängliche Graus ist verflogen, die Liebe noch nicht entfacht. Ich habe kein Problem mehr damit, eine Olive zu essen. Ich kaufe mir aber auch keine. Die Beziehung zwischen den schwarzen Kernen und mir ist ernüchternd. Wir leben nebeneinander her, manchmal kreuzt sich unser Weg – und ich kann damit umgehen.

Was sich aber neben meinen Geschmacksknospen wirklich verändert hat, ist die Einstellung zu Nahrungsmitteln, die ich nicht mag. Es gibt nun nichts mehr, das ich nicht probiere. Und immer wieder probiere. So lange, bis die magische 7 erreicht ist und ich keine Abzüge mehr machen muss. Denn wenn Geschmack tatsächlich manipulierbar ist, soll grenzenloser Geschmack mein Ziel sein. Die Oliven sind erst der Anfang.

Und wer weiß, vielleicht wird diese Gleichgültigkeit den Oliven gegenüber eines Tages ja doch noch zu echter Leidenschaft. Mal schauen, was die nächsten 7 Monate so bringen.