Haya Molcho im Interview

Das hebräische Wort Balagan übersetzt Haya Molcho mit sympathisches Chaos. Und bei Haya ist immer ein bisschen Balagan, denn genau das zeichnet die Levante-Küche aus. Doch obwohl es manchmal chaotisch zugeht, hat Haya das NENI gemeinsam mit ihren Söhnen voll im Griff: Restaurants in ganz Europa, NENI-Produkte in Supermärkten, Kochbücher, TV-Shows und nun auch der 7hauben Online-Kurs. Im Interview erzählt sie uns, wie sie all das geschafft hat, warum sie Wien so sehr liebt und was das Geheimnis eines erfolgreichen Familienbetriebs ist.

7hauben: Wo gehst du gerne essen, wenn es mal nicht die Levante-Küche sein soll?

Haya Molcho: Wenn ich in einem Land bin, dann werde ich nie die israelische Küche suchen, sondern immer die Küche des Landes. Wenn ich in Mexiko bin, esse ich mexikanisch, wenn ich in New York bin, auch mal einen Hamburger. Ich liebe jede Küche, die authentisch ist. In Wien geh ich deshalb auch gerne in Heurige und in Beisln, denn die richtig gute Wiener Küche liebe ich auch sehr, weil sie einfach und authentisch ist … Ich liebe überhaupt gutes Essen, egal wo es herkommt!

Du hast auch schon viel gesehen und verköstigt. Warum ist genau Wien deine zweite Heimat geworden?

Damals sind wir wegen der Professur meines Mannes nach Wien gezogen und nach vielen Tournee-Jahren hier sesshaft geworden. Uns ich muss sagen: Ich liebe Wien. Wien ist eine Stadt, in der man Kinder großziehen kann. Wien hat viel grün und ist im Gegensatz zu Deutschland mehr balkanartig, so ein bisschen mehr Balagan. Das Einzige, was mich manchmal an Wien stört, ist dieses Raunzen, weil ich ein positiver Mensch bin. Aber es gehört eben auch dazu, wenn ein Kellner, der schon seit 40 Jahren in einem Kaffeehaus arbeitet, raunzt. Er wird mich mit seiner Raunzigkeit nicht anstecken, ich werde immer positiv bleiben, aber ich finde das ganz witzig.

Warum hast du dich für einen Online-Kochkurs mit 7hauben entschieden?

Ich bin eine gebende Person, ich habe nie Rezepte für mich behalten, weil ich glaube, wenn jemand das gleiche Rezept von mir bekommt, dann wird er dem seine Handschrift geben. Und ich unterrichte gerne, deshalb hab ich sofort zugesagt, als mich das tolle Team von 7hauben gefragt hat. Sie waren mir nicht nur sympathisch, ich hab auch gesehen: Sie sind dahinter, sie haben Energie, sie haben eine Passion und das passt zu uns. Deshalb hab ich gleich gesagt: „Ja, ich mach’s gerne mit euch.” Es war nicht wenig Arbeit, aber es hat mir richtig Spaß gemacht!

Gibt es auch Arbeiten bei NENI, die dir keinen Spaß machen?

Ich liebe das Kochen, deshalb hab ich in der NENI-Familie auch das Kochen übernommen. Ich bin Produktentwicklerin, wenn ich koche, ist das mein Element. In dem Moment, wo ich Buchhaltung oder Steuern oder perfekt alles in Excel schreiben will, bin ich verloren. Und deswegen bin ich so dankbar, dass ich tolle Mitarbeiter hab, dass meine Jungs das übernommen haben. Ich bin nicht so eine tolle Instagramerin oder Facebook – ich mach das, ich kenn mich total aus – aber da gibt es meine Kinder, die das viel besser können. Das heißt, ich koch am liebsten und bin froh, dass man mir alles andere abnimmt. Ich darf nur das machen was ich möchte – aber das ist auch schon sehr viel!

Was ist der Hauptgrund dafür, dass NENI so erfolgreich ist?

NENI ist ein Familienbetrieb, den ich von Anfang an mit meinen beiden ältesten Söhnen Nuriel und Elior begonnen habe. Ein Jahr später ist auch Ilan eingestiegen. Wir waren die ersten, die wirklich die israelische Küche nach Wien gebracht haben und wir haben das Bauchgefühl gehabt, dass wir das Richtige machen. Weil das war authentisch, das waren wir, das waren die Molchos und das war die Mutter mit ihren Söhnen. Wir wussten, das kann nur gut werden, weil wenn du mit Leidenschaft etwas machst, authentisch und eine Vision hast, dann ist das schon 50 % Erfolg. Die anderen 50 % musst du fleißig sein. Erfolg ist nicht nur Passion, es ist auch Durchhalten und nicht aufgeben. Ich bin sehr dankbar, dass ich NENI mit meinen Söhnen begonnen habe, denn gemeinsam waren wir stark genug dafür.

Ein Sohn fehlt aber im Familienbetrieb, warum das?

Mein vierter Sohn, Nadiv, macht nicht bei NENI mit. Er ist Schauspieler, wie mein Mann. Wir haben ihm tausend Mal angeboten, wir brauchen noch jemanden im NENI, doch seine Leidenschaft ist Film, Regie und deshalb war es ganz klar, dass Nadiv diesen Weg geht. Denn wir haben unseren Kindern immer gesagt: Macht das, wo eure Leidenschaft ist. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich meinen Kindern nicht etwas vererbt habe, das sie machen müssen, weil ich ein Lokal habe, sondern wir haben gemeinsam begonnen und wir sind ein demokratischer Familienbetrieb.

Jeder hat andere Stärken: Nuriel macht Marketing und Social Media, Elior macht viel mit Personal, er ist jemand, der gut zuhört. Ilan ist ein Denker, ein Stratege, er macht die ganze Produktion, er ist kein Balaganist wie wir. Und so geben wir uns die Balance. Genauso, wie beim Essen eine Balance sein muss, ist es auch im Familienbetrieb. Ohne Balance, wenn jeder ein Koch sein würde, würde NENI nicht existieren. Weil wir das Glück haben, dass jeder irgendwo anders begabt ist, ist NENI erfolgreich.

Wie geht’s mit NENI weiter?

Bei NENI kann man das nie genau wissen, es ist nie ein Stillstand. Es kommen sehr viele Leute auf uns zu, wir sagen davon aber 90 % ab. Ihr wisst ja nur, was wir machen, aber was wir absagen, ist viel mehr. Aber wir machen nächstes Jahr ein NENI in Kopenhagen auf, worauf wir uns sehr freuen, das ist ein kulinarisches Highlight. Ich werde mit Holzkohle arbeiten, ich werde richtig Feuerküche dort anbieten. Dann machen wir in Wien, in der Biberstraße mit Elichai ein neues Restaurant auf und am Ende des Jahres am Wiener Prater in der Superbude. Wir werden in der obersten Etage ein Restaurant eröffnen, ich werde es glaub ich „Balagan by NENI” nennen. Wir werden dort auch wunderbares Essen anbieten, aber auch mit DJ und mit Bar, auf der Terrasse, über dem Prater, tolle Location.

Außerdem mach ich ein neues Kochbuch, das im Herbst oder Winter rauskommen wird: Nach Tel Aviv bei NENI kommt nun Wien by NENI. Meine zweite Heimat, wo ich Köche hier in Wien vorstelle, wo wir die Wiener Küche mit unserer Küche verbinden mit schönen Geschichten der einzelnen Köche. Das ist das, was wir jetzt mal machen – und ein Jahr später kommen sicher noch viele neue Sachen auf uns zu.

Balagan gab es übrigens auch beim Kurs-Dreh! Finde hier die Outtakes vom Online-Kurs.

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